Frauenärztin Dr. Jolanta Kremer

Natürliche Hormontherapie – Wechseljahre

In dieser Zeit der hormonellen Umstellung können verschiedene Beschwerden wie Hitzewallungen, Gelenkschmerzen, Stimmungsschwankungen und Osteoporose (Knochenschwund) auftreten. Diese sind mittels etablierter homöopathischer, pflanzlicher oder hormoneller (z.B. bio-idente Hormone) Therapieoptionen gut behandelbar. Gemeinsam wählen wir die für Sie am besten passende Therapie.

 

Die wichtigsten Geschlechts- oder Steroidhormone sind:


PROGESTERON

Natürliches Progesteron oder Gelbkörperhormon ist ein Vorläuferhormon, das großen Einfluß auf die hormonellen Abläufe nimmt.

Progesteron ist für beide Geschlechter wichtig, da es als Steroidhormon Östradiol, Cortisol und Testosteron beeinflußt. Seine positive Wirkung zielt u.a. auf die Stabilität der Knochen, Steigerung der Kollagenbildung, Verlängerung der Lebensdauer von Hautzellen und wirkt somit auch gegen Faltenbildung. Neben Stimmungsausgleich, kann Progesteron auch der Schlafförderung dienen, die Gedächtnisleistung erhöhen und die Wasserausscheidung positiv beeinflussen. Progesteron ist als Gegenspeiler der Östrogene (Östron, Östradiol, Östriol) von großer Wichtigkeit.

Progesteron ist eines der ersten Hormone, bei dem die Produktion bereits Mitte 30 nachlässt. Oft liegt schon im Alter zwischen 30 und 40 ein Ungleichgewicht beider Hormone vor, es kann zu einer Östrogendominanz, einem Überwiegen des Östrogens kommen. Dies kann bei beiden Geschlechtern vorkommen und zu unerwünschten Nebenwirkungen von Östradiol führen. Östrogen und Progesteron wirken auf vielfältige Weise zusammen.
Progesteron ist wichtig für: die Psyche, Gehirntätigkeit und –leistung, Konzentration, Regulierung der Blutgerinnung, Mineralverarbeitung, Stressbewältigung, Immunsystem, Zucker- und Fettverarbeitung, Schilddrüsengesundheit, Schlaf, Herz, Stoffwechsel, Knochen, Cholesterinregulierung, gesunde Brust, Gebärmutterschleimhaut, Schwangerschaft, Regulierung der Frauenzyklen, Prostata des Mannes und Energie.

Progesteronmangel kann sich bei beiden Geschlechtern folgendermaßen zeigen: Schilddrüsenfunktionsstörungen, Herzrythmusstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Blasenprobleme, Wassereinlagerungen, emotionale und depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen, plötzliche Aggressionen, Vergesslichkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit des Lebens, Leistungsabfall, Energiemangel, Blutdruckschwankungen, Osteoporose, nachlassende Libido und Gewichtszunahme.

Bei Frauen zusätzlich noch: mangelnde Empfängnisbereitschaft, Unfruchtbarkeit, Frühabortus, PMS, Brustspannen, Zysten und Myome und Wechseljahresbeschwerden.


DIE ÖSTROGENE

Die Östrogene bilden eine Hormongruppe, zu welcher Östradiol, Östriol und Östron gehören.

Östradiol (E2), ist der Repräsentant der Östrogene und als das weibliche Fruchtbarkeitshormon bekannt. In der Pubertät reifen unter Östrogen Mädchen zu Frauen. Östradiol ist wichtig für die Zellteilung (Wachstumshormon!) und fördert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Auch beim Mann ist Östradiol von großer Bedeutung, denn es sorgt für die Elastizität der Gefäße, für die Potenz und die Fruchtbarkeit. Aus präventivmedizinischer Sicht beugt es Herz-Kreislauferkrankungen vor. Es speichert Fett und Wasser für gesunde, schöne Haut und Haare, unterstützt die Regelung der Körpertemperatur und gesunden Schlaf.

Erhöhte Östradiolwerte sind verantwortlich für die so genannte Östrogendominanz, die sich mit folgenden Symptomen äußert: Gebärmutterhalskrebs und –myome, Brustempfindlichkeit, -schwellung und-schmerzen, vermehrte Wassereinlagerung im Gewebe, Verminderung der Fettverbrennung, Müdigkeit, Unterzuckerung, Gedächtnisverlust, Allergien, Abnahme der Libido, Osteoporose, Gallenblasenkrankheit, Depression, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Sehstörungen, Bildung von Blutgerinnseln, Kupferspeicherung, erhöhtem Schlaganfallrisiko, Verweiblichung beim Mann (Zeugungsunfähigkeit, Muskelabbau, hohe Stimme) und Prostatavergrößerung.

Bei niedrigem Östradiolspiegel kann es zu Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Zyklusstörungen, Veränderungen der Haut, Haarausfall und einer tiefen Stimme bei Frauen kommen. Auch ein unerfüllter Kinderwunsch kann mit erniedrigtem Östrogenspiegel einhergehen.

Östriol (E3) ist das Östrogen, das zur Gesunderhaltung aller Schleimhäute im Körper bei Frauen und Männern beiträgt. Augen, Nase, Ohren, Mund und Rachen, der gesamte Magen und der Darmbereich können von Gaben dieses natürlichen Hormons profitieren. Bei Frauen hat es sehr großen Einfluss auf die Zellen in der Scheide (Vagina) und kann daher gegen Trockenheit im Scheidenbereich gegeben werden, sowie bei Reizblase oder Blasenschwäche. Erstaunliche Wirkung zeigt Östriol auch bei Gebärmuttervorfall und Hitzewallungen.


TESTOSTERON

Testosteron ist bei beiden Geschlechtern für Energie, Durchhaltevermögen, Muskelkraft, Leistungsfähigkeit, Libido und Ausdauer zuständig. Es unterstützt Männlichkeit. Stoffwechselvorgänge wie z.B. Fettverbrennung, Blutzuckerregulierung, Bildung von roten Blutkörperchen und Aminosäuren (Baustein für Eiweiße), sowie die Produktion von gefäßschützendem HDL-Cholesterin, und es verbessert die Gehirnfunktion. Testosteron bremst Bluthochdruck und stärkt das Immunsystem. Es ist wichtig für das Wachstum und die Erektionsfähigkeit des männlichen Gliedes, sowie die Spermienreifung. Außerdem fördert es das sexuelle Verlangen und das Wachstum der Körperbehaarung und verstärkt die Aggressivität.


DHEA

DHEA, (De-hydro-epi-androsteron) wird vorwiegend in der Nebennierenrinde produziert. Es gilt als Vorläuferhormon, denn mit Ausnahme von Progesteron, kann unser Organismus sowohl männliche (Testosteron) als auch weibliche Hormone (Östrogene) daraus bilden.

Schon im Alter von 25 Jahren beginnt die DHEA-Produktion bei beiden Geschlechtern stetig abzunehmen. DHEA hat verschiedene Regulierungsmechanismen in unserem Stoffwechsel, wie Blutzuckerspiegel, Blutdruck und Fettverbrennung. Das Körpergewicht wird kontrolliert und Libido und Potenz gesteigert. Es hat einen positiven Einfluss auf die Herz-Kreislauf-Funktion, unser Immunsystem und das Gedächtnis. Außerdem sorgt es dafür, dass wir Stress besser tolerieren können. Es gilt als Gegenspieler von Cortisol.

Dauerstress kann für niedrige DHEA-Werte sorgen.


CORTISOL

Cortisol ist das wichtigste Stresshormon, das bei psychischem und/oder physischem Stress ausgeschüttet wird, daher auch der Name: Stresshormon. Cortisol entsteht in der Nebennierenrinde. Es wird hauptsächlich in der zweiten Nachthälfte gebildet und steht morgens zwischen 7 und 8 Uhr in maximaler Konzentration für  die Tagesaktivität bereit. Der Cortisolspiegel reduziert sich im Tagesverlauf bis auf ca. 10% des Morgenwertes.


Bedeutung und Wirkung von Cortisol:

Cortisol hat wegen seiner herausragenden Bedeutung für die Anpassung an jede Form von Belastung (Stress) ein enorm breites Wirkungsspektrum.

Es hemmt die Eiweißsynthese der Lymphozyten (wichtige Zellen des Immunsystems), Entzündungsprozesse, ist wichtig für den Wasserhaushalt, den Eiweißstoffwechsel und den Elektrolythaushalt. Es stabilisiert den Blutzuckerspiegel während Hungerperioden (Fasten) und unterdrückt immunologische Vorgänge. Cortisol beeinflusst das seelische Wohlbefinden.

Dauerstress und Fehlfunktionen der Nebennieren können zu niedrigen Cortisolwerten führen. Dies wiederum kann Leistungsverlust, Burn-out, Müdigkeit, Antriebsmangel, gesteigerte Geräuschempfindlichkeit, Störung der Schmerzempfindung, diffuse Muskel- und Gelenkschmerzen und Stuhlentleerungsstörungen  (z.B. Verstopfung oder Durchfall) zur Folge haben. Außerdem kann es zu vermehrter Hautpigmentierung kommen.

Erhöhte Cortisolspiegel können durch Langzeiteinnahme von Glukokortikoiden oder durch krankhafte Überproduktion bedingt sein.

Die Symptome zu hoher Cortisolspiegel zeigen sich u.a. durch Infektanfälligkeit, Adipositas, Neigung zu Fetteinlagerung (Stammfettsucht), Neigung zu Diabetes mellitus, Muskelschwund, Stress, Nervosität, Depression, Kopfschmerzen und Osteoporose.